Hypnosen

Beim Stichwort „Hypnose“ stellen sich vielen Menschen zunächst einmal die Nackenhärchen auf. Einige denken dabei an fragwürdige Wunder- und Geistheiler, andere erinnern sich an Horrorfilme, bei denen Hypnotisierte zu willenlosen Werkzeugen gemacht werden. Auch bei Fernsehshows wird die Hypnose von freiwilligen Kandidaten oder dem Publikum, welche sich scheinbar mühelos manipulieren lassen, zum Unterhaltungsgag. Jedoch sollte die Hypnosetechnik nicht darauf reduziert werden, denn das Einsatzgebiet dieser Methode ist groß. Damit Sie einen fundierten Überblick zu diesem Thema erhalten, soll zunächst einmal geklärt werden, worum es sich bei der Hypnose handelt, welche Formen und Behandlungsmöglichkeiten es gibt und nicht zuletzt soll der Frage nachgegangen werden, ob sie nicht auf nachteilige bzw. negative Effekte kann.

Was versteht man unter Hypnose?

Definition

Hypnose kann definiert werden als ein Verfahren zum Erreichen einer sogenannten hypnotischen Trance. Ferner wird der Zustand der hypnotischen Trance selbst als Hypnose bezeichnet. Menschen in einer hypnotischen Trance befinden sich in einem entspannten Wachzustand, allerdings ist die Aufmerksamkeit stark eingeschränkt und geringer auf Inhalte ausgerichtet, was bedeutet, dass sie wenig von ihrer äußeren Umgebung mitbekommen. Diese Personen besitzen aber durchaus die Fähigkeit, sich willentlich zu bewegen oder zusammenhängende Worte zu sprechen. Ein weiteres Kennzeichen dieses Zustandes ist, dass das Unbewusste besonders empfänglich für externe Reize (etwa Befehle) ist und die Konzentrationsfähigkeit auf etwas Bestimmtes (zum Beispiel eine Vorstellung, die von der Fantasie erzeugt wurde) deutlich erhöht ist. Außerdem können das Gedächtnis oder das Nervensystem besonders aktiviert sein.

Das eigentliche Bewusstsein von Hypnotisierten ruht gewissermaßen, allerdings kann diese Phase nicht mit Schlaf verglichen werden. Das persönliche Erleben und die Wirkungen der Hypnose werden von den betroffenen Personen übrigens sehr individuell geschildert. Ob sich die gewünschte Erfolge einstellen, ist von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich, da die innere Einstellung des Hypnotisierten hierbei eine große Rolle spielt.

Es gibt verschiedene Grade der Trance, von der leichten Form, die sich nur in geringem Maße vom regulären Wachzustand unterscheidet bis hin zur tiefen Trance, die zur einer starken Tiefenentspannung führt, bei der sogar (gewollte) Halluzinationen erzeugt werden können. Bei Menschen im Trancezustand kommt es in der Regel zu einer Änderung einiger Körperfunktionen: langsamere Atmung, geringere oder höhere Muskelspannunglangsamerer Herzschlagniedrigerer Blutdruckverzögerte oder ruckartige Bewegungen.

Methodik und Vorgehensweise

Es wird zwischen direkten und indirekten Methoden unterschieden, mit Hilfe derer die hypnotische Trance eingeleitet werden kann. In beiden Fällen notwendig ist, dass sich der Proband sicher und geborgen fühlt. Manchmal wird dazu gezielt Musik eingesetzt. Normalerweise spricht der Hypnotiseur die Person direkt an, indem er sie zu etwas auffordert, etwa zu einer bestimmten Körperhaltung oder aber der Klient soll seine Gedanken auf eine gewisse Vorstellung hin lenken. Diese sogenannten Suggestionen des Hypnotiseurs werden mehrmals wiederholt, da diese Form der Monotonie hypnotisierend wirkt. Ziel ist es, einen Entspannungszustand beim Probanden herbeizuführen, ganz ähnlich wie bei der progressiven Muskelentspannung.

Bei den direkten Methoden wird mit Suggestionen gearbeitet, die einen befehlsähnlichen Aufforderungscharakter haben, wobei dadurch die Aufmerksamkeit des Probanden auf eine bestimmte Sache gerichtet werden soll. Dabei können alle Sinne zum Einsatz kommen, etwa bei der sogenannten Augenfixation, womit das Anstarren eines Gegenstands gemeint ist. Dadurch ermüden die Augenmuskeln, wodurch die Person leichter in Trance geraten kann. Oft werden Objekte mit Komplementärfarben (schwarz-weiß, rot-grün, blau-orange) genutzt, da diese den Effekt verstärken. Auch Akustik kann eingesetzt werden, durch gezielt ausgewählte Musikstücke oder wohltuende, beruhigende Klänge. Manchmal spielen auch Düfte oder Berührungen eine Rolle. Wichtig ist, dass der Proband im Vorfeld in die Methodik einwilligt und mit der dominierenden Funktion des Hypnotiseurs einverstanden ist. Eine positive Erwartungshaltung des Klienten der Hypnosetechnik gegenüber kann das gewünschte Ergebnis beeinflussen, sprich verbessern.

Die indirekten Methoden bleiben hingegen in ihrem Sprachmuster im Gegensatz zu den bestimmenden Anleitungen der direkten Methoden eher vage und ungenauer. Sie haben stärker einen permissiven, d.h. erlaubenden Charakter. Dadurch, dass die Sprache quasi von ihrem Inhalt befreit wird, soll der tranceartige Zustand eingeleitet werden.

Vorwiegend im Showbereich gibt es außerdem noch die Blitzinduktion, die mit dem Überraschungsmoment arbeitet. Innerhalb weniger Sekunden gelangen die Probanden hier in hypnotische Trance, meist handelt es sich um spontane Einschlaf-Erlebnisse.

Auflösung der Trance

Aufgelöst wird die hypnotische Trance ebenfalls durch bewusste Suggestionen des Hypnotiseurs, wobei dies normalerweise schneller geschieht als die Einleitung der Hypnose. Schritt für Schritt wird der Proband wieder aus seinem Zustand der Tiefenentspannung geholt, wodurch sich auch die Herz-Kreislauf-Werte nach und nach wieder auf den Wachzustand einpendeln. Häufig wird das Aufwärts zählen (von eins bis fünf) genutzt. Allerdings sollte dies nicht zu rasch geschehen, damit sich der Körper an die Umstellung gewöhnen kann – sonst kann es teilweise zu Kopfschmerzen kommen.

Der Klient kann sich übrigens auch selbst aus der Trance holen, wobei es hier meist eines äußeren Reizes bedarf (z.B. laute Geräusche wie Knall oder Alarm). Manchmal muss dann der Hypnotiseur noch einmal korrigierend eingreifen, damit es nicht zu körperlichen Beschwerden kommt.

Selbsthypnose

Wie schon erwähnt spielen die persönliche Erwartungshaltung und Einstellung der zu hypnotisierenden Person eine große Rolle für den Verlauf und das Ergebnis der Hypnose. Manchen Menschen gelingt es sogar, parallel in die Funktion des Hypnotiseurs und des Klienten zu schlüpfen, was als Selbst- oder Autohypnose bezeichnet wird. Zunächst einmal geht es darum, eine entspannende Umgebung zu schaffen, etwa mit einer Matte und warmen Decke.

Mithilfe der Atmungsregulierung wird nach und nach ein Entspannungszustand für die Muskeln und weitere Körperfunktionen geschaffen. Dann suggeriert die Person selbst im Geiste ein Bild und spricht innerlich monotone Sätze dazu. Ziel ist es, den Alltag hinter sich zu lassen und dem hektischen Treiben für einen Moment zu entfliehen. Die Techniken sind nicht schwer zu erlernen. Bei Interesse und Wille kann jedermann Hypnotiseur seiner Selbst sein. Die Autohypnose kann es sinnvolles Instrument für Stressmanagement sein.

 

Ist jeder für Hypnose geeignet?

Die Hypnotisierbarkeit ist bei jedem Menschen verschieden. Grundsätzlich ist jedoch bei den meisten diese Fähigkeit von Geburt an vorhanden. Wir setzen uns selbst im Alltag häufig in Trance, etwa beim Joggen, Autofahren oder Einkaufen: Obwohl wir in Gedanken oft woanders sind, führen wir die Tätigkeiten trotzdem richtig aus, sozusagen unbewusst oder „wie im Schlaf“, da Joggen oder Einkaufen für uns irgendwann zu einer automatisierten Tätigkeit geworden ist, bei der wir nicht immer bei der Sache sein müssen.

Allerdings sind Menschen mit Hirnleistungsstörungen und geistig kranke Menschen nicht für Hypnose geeignet. Besonders gut hingegen funktioniert die hypnotische Trance bei Personen mit einem außerordentlichen Vermögen an Fantasie, Kreativität und Intelligenz.

Natürlich spielt auch die individuelle Einstellung eine entscheidende Rolle, etwa Skepsis versus Begeisterung für Hypnose. Skeptische Menschen werden ihrem Bewusstsein nicht erlauben, die Kritikfähigkeit zu vernachlässigen, wodurch das Unbewusste auch weniger ansprechbar ist und kein tiefer Trancezustand erreicht werden kann.

Wann werden Hypnosetechniken eingesetzt?

Hypnotherapie

Die Wirksamkeit der Hypnose wird im Rahmen der Hypno- bzw. Hypnosepsychotherapie genutzt und ist wissenschaftlich belegt. Trancezustände werden hier gezielt in die therapeutische Arbeit integriert.
Der Effekt beruht auf der kommunikativen Zusammenarbeit von Therapeut und Klient, wobei die hypnotische Trance dazu eingesetzt wird, eine Veränderungsarbeit zu leisten. Beispielsweise sucht ein Klient die Praxis des Hypnosetherapeuten auf, um eine Phobie zu überwinden, etwa die Angst vor Spinnen. Oder aber der Klient möchte seinen Waschzwang in den Griff bekommen. Manchmal handelt es sich aber auch um Störungen wie Stottern oder nervöse Zuckungen in bestimmten Situationen, die durch die Hypnotherapie behoben werden sollen. Häufig werden auch Schlaf- und Essstörungen oder Suchtprobleme (z.B. Nikotinabhängigkeit) behandelt. In verschiedenen Studien wurde der positive Effekt der Hypnotherapie nachgewiesen, sodass seit 2006 in Deutschland diese Therapieform vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als zulässige Methode für bestimmte Anwendungsgebiete anerkannt wurde.

Hypnose in der Medizin

Bei der Schmerztherapie wird Hypnose mitunter in Kombination mit Verfahren der Anästhesie (Bestäubung) angewandt, um die Ergebnisse von Operationen positiv zu beeinflussen. Relativ verbreitet ist dieses Verfahren beispielsweise in der Geburtshilfe, aber auch in der Zahnmedizin. Da die Angst vorm Zahnarzt bei nicht wenigen Patienten eine tragende Rolle spielt, kann hier die Hypnose überdies bei der Beseitigung einer Zahnbehandlungsphobie helfen.

Hypnoanalyse

Die Hypnoanalyse kann die klassische Psychotherapie durch den Einsatz der hypnotischen Trance bei der tiefenpsychologischen Arbeit unterstützen. Dadurch, dass bei der Trance die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ereignis oder eine Vorstellung gerichtet ist, können zum Beispiel im Inneren verborgen schwelende emotionale Konflikte oder Abwehrhaltungen aufgedeckt und im anschließenden Gespräch thematisiert werden. Auch bereits vorhandene Probleme können während der hypnotischen Trance gezielt bearbeitet werden, etwa durch das Abbauen und die Überwindung negativer Emotionen, die im Wachzustand bewusst verdrängt werden.

Kann Hypnose auch nachteilige Effekte haben?

Die Wahl des Hypnotiseurs ist in diesem Zusammenhang maßgeblich. Der Klient muss auf jeden Fall Vertrauen in ihn haben und sich wohl und geborgen fühlen, damit überhaupt die Bereitschaft entstehen kann, sich in Trance zu begeben. Sicherlich gibt es auch unter den Hypnotiseuren Scharlatane, die entweder ihr Handwerk nicht beherrschen oder mangelnde Feinfühligkeit in der Betreuung der zu hypnotisierenden Person aufweisen, etwa, indem sie ihn nach der Aufwachphase des Trancezustands mit seinen Erlebnissen und Emotionen alleine lassen.

Doch sollte auf jeden Fall ein Gespräch dazu stattfinden, wie der Proband die Hypnose erlebt hat. Außerdem sollte im Vorfeld unbedingt abgeklärt werden, wie der konkrete Ablauf aussieht und welche Tätigkeiten oder Vorstellungen der Klient nicht in die Hypnose integriert haben möchte.

Um an einen seriösen und kompetenten Hypnotiseur zu geraten, sollten Sie auf entsprechende Zertifizierungen bei dessen Aus- und Weiterbildung achten (z.B. Diplom bei einem anerkannten Institut). Natürlich hilft es auch immer, sich bei Personen umzuhören, die bereits Erfahrungen mit diesem Hypnotiseur gemacht haben, um sich ein fundiertes Bild machen zu können.

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